
| Inhalt Ausgabe 48 / Nov 06
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Christoph Hartmann BSE in der hessischen Bildungspolitik ? So wie Eiweißkörper Rinderhirne infizieren und so den ganzen tierischen Organismus aus dem Gleichgewichtszustand bringen, so setzt sich in der hessischen Schulpolitik zunehmend Bürokratie wie Sand ins Getriebe. Hat der Ministerpräsident nicht einmal etwas von Bürokratieabbau gesagt? Bürokratie Statt Eigeninitiative, so könnte man zynisch sagen, ist neuerdings die Devise. Dies ist nicht weit hergeholt, wie zahlreiche Beispiele zeigen, zuletzt die Regelung der Lehrerfortbildung und die Einführung der Förderpläne. Bürokratie ist immer mit formaler Mehrarbeit verbunden, so auch im Falle der Lehrerfortbildung, um die es hier gehen soll. War es bisher eine individuelle Angelegenheit der wissenschaftlich ausgebildeten Lehrer, den eigenen Fortbildungsbedarf festzustellen sowie zu schauen, wie man ihn trotz der alltäglichen schulischen Belastungen deckt, soll nun jeder ein Fortbildungsportfolio anlegen und dies der Schulleitung vorlegen. Jetzt heißt es nicht mehr Scheine sammeln wie an der Universität (egal, ob man etwas gelernt hat oder nicht), sondern jetzt gilt es, Punkte zu sammeln. Es gilt, Veranstaltungen zu besuchen, bei denen es mindestens fünf Punkte gibt, und seien diese auch noch so überflüssig, langweilig und wenig unterrichtsverwertbar. Wer sollte das auch kontrollieren? Schon der Name Fortbildungsportfolio ist eine Veräppelung. Ein Portfolio ist in der Finanzwelt üblicherweise ein „Korb“ von Wertpapieren, die im Wert steigen und Zinsen abwerfen. Daß das Fortbildungsportfolio irgendeinen finanziellen Wert erhielte, davon kann keine Rede sein. Zwar war einmal irgendwann davon die Rede, daß man bei entsprechendem Einsatz mit einem Gehaltsbonus rechnen könnte (ein gewisser Trost für die Perspektivlosigkeit im Lehrerberuf angesichts mangelnder Beförderungsmöglichkeiten). Wegen der klammen Finanzen ist dies jedoch längst nicht mehr der Fall. Im Gegenteil, jetzt muß man zu manchen Fortbildungen auch noch Geld mitbringen. Die häusliche Arbeit, das Lesen von Fachbüchern, die eigenen Übungen, die Internetrecherchen und die Gespräche mit Fachkollegen haben mich, was die Mathematik betrifft, und viele meiner Kollegen in ihren Fächern, schon immer wesentlich weitergebracht als die besuchten Fortbildungsveranstaltungen, inklusive diejenigen, die das Staatliche Schulamt anbot. Eine Ausnahme sehe ich hier zur Zeit bei der Informatik, meinem zweiten Fach. Den regelmäßigen Treffen des Frankfurter Informatikerkreises z.T. mit Gastreferenten, initiiert vom Kollegen Polozek, verdanke ich zahlreiche Anregungen. Nicht nur für die Informatik gilt, daß die selbstorganisierte Fortbildung zu Hause und in der Schule den weitaus größten Teil meiner Bemühungen ausmacht, um fachlich auf dem neuesten Stand zu bleiben. Dennoch bemühe ich mich, die Veranstaltungen des Informatikerkreises regelmäßig zu besuchen, und dies weniger wegen der Punkte als vielmehr wegen des Erfahrungsaustausches mit Kollegen anderer Schulen, der mir wichtig ist. Dieser Erfahrungsaustausch ist es auch, der mich jedes Jahr zu den Vertreterversammlungen des HPhV zieht (Dazu kommen 20 Punkte!) Die Veranstaltungen des Informatikerkreises finden immer von 14:00 von 17:00 Uhr an verschiedenen Wochentagen statt und berühren zyklisch alle Oberstufenthemen der Informatik. Vielleicht ist dies auch ein auf andere Fächer übertragbares Modell. In diesem Schuljahr hatte ich wegen vorangegangener Stundenreduzierung weniger Unterricht zu erteilen. Ich stelle mir dann immer Kollegen vor, die nach sechs Stunden Unterricht bis 13:00 Uhr zusätzlich noch von 14:00 bis 17:00 Uhr an einer Fortbildung teilnehmen sollen. Das ist physisch kaum durchzustehen und mit fünf Punkten völlig unzureichend honoriert.
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