Inhalt Ausgabe 45 / März 02

Vorwort

Das Projekt Sinus

Elternbrief

Auch Jeide und Stillmunke werden die Rechtschreibreform nicht retten

Leben wie Gott in Frankreich

Resolution der Frankfurter Studienseminare I. und II

Aktuelles aus dem Gesamtpersonalrat

Zulange schon die falschen Reformkonzepte - G8-Schule

Von Kinkerlitzchen und Fisimatenten

Die Neue im Staatlichen Schulamt

Förderung der Schulpartnerschaften

 

 

 

Bücher

Von Kinkerlitzchen und Fisimatenten

Was hat „totschick“ mit „tot“ zu tun, was „mausetot“ mit „Maus“, und was verbindet eigentlich „Käsekästchen“ mit „Käse“?

Wir kennen die Bedeutung der genannten Begriffe aus dem Zusammenhang, doch ab und zu kommen wir in Verlegenheit, wenn wir von unseren Kindern nach dem zugrundeliegenden Sinn gefragt werden. Das Büchlein Französisch im Berliner Jargon von Ewald Harndt gibt hierüber Auskunft; die genannten Wörter haben ihren ursprünglichen Sinn im Französischen. „Mausetot“ heißt es nicht deswegen, weil eine Maus gestorben ist, es ist vielmehr der Berliner Jargon für mort aussitôt, will heißen: „auf der Stelle tot“ bzw. „sofort tot“. Ähnlich verhält es sich mit „mutterseel(en) allein“, das seinem Ursprung nach weder etwas mit „Mutter“ noch mit „Seele“ gemein hat; es kommt vielmehr von „moi tout seul“ („ich ganz allein“). Doch warum sagt der Berliner dann: „ich ganz allein allein“? Es geschah dies anfangs deshalb, weil er bei seinen Gesprächspartnern nicht ohne weiteres denselben Kenntnisstand an französischen Ausdrücken voraussetzen konnte; und um Nachfragen oder Mißverständnissen vorzubeugen, übersetzte er den Ausdruck aussitôt-zugleich. Dasselbe Prinzip gilt dann auch für die oben erwähnten „Käsekästchen“ oder auch „Käsekasten“; nämlich: „caisse-Kasten“.

Im Verlauf des Büchleins tauchen noch viele andere Wörter auf wie z.B. „Muckefuck“, „blümerant“, „adrett“, „gewieft“ und „etepetete“, die alle in ähnlicher Weise auf ihre ursprüngliche französische Bedeutung zurückgeführt werden. Eingebettet ist die Etymologie in den geschichtlichen Rahmen der Stadt. In ihrer 750jährigen Geschichte war Berlin mindestens 300 Jahre lang starkem französischen Einfluß ausgesetzt, kam dieser nun von den Hugenotten, den Revolutionsemigranten oder Napoleons Besatzungssoldaten. Letztere waren in Zelten untergebracht und fanden nicht selten Gefallen an den jungen Berlinerinnen. Diese wurden dann - wenig galant - zu einem Besuch ins Zelt aufgefordert. „Visite ma tente!“ Die besorgten Eltern schärften ihren Töchtern ein, sich auf „keine Visitematenten“ einzulassen, was dann zu „Fisimatenten” wurde.

Die Berliner fanden es jahrzehntelang „totschick“ (tout chic), ihr Deutsch mit französischen Wortpreziosen auszuschmücken, und dies bereitete nicht nur den gebildeten Schichten Vergnügen, sondern vor allem auch dem Volk. Der „Berliner Schnauze“ haben wir es dann auch zu verdanken, daß die französischen Ausdrücke kaum noch als solche erkennbar sind. So kommt „Kinkerlitzchen“ aus dem französischen quincailleries (billiger Blechkram), an das man den deutschen Diminuitiv „-chen“ angefügt hat. All jenen, die Vergnügen an derartigen sprachlichen „Kinkerlitzchen“ haben, sei das Buch empfohlen.

Ewald Harndt, Französisch im Berliner Jargon, 67 S., Stapp Vlg. Bln.1998, € 5,-

   

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