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Inhalt Ausgabe 44
/ Juni 01
Vorwort
Neue
Rechtschreibwörterbücher im Irrgarten der Rechtschreibreform
Compuer
in jedem Klassenraum!
Leserbriefe
Wenn
am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist...
Dem
Frankfurter Studienseminar II droht das Aus
Kritik
am Delphi-Bericht
Ist
unsere Verfassung rechtsradikal?
12
Schuljahre sind genug oder ...?
Le
Lycée français Victor-Hugo - die französische Schule
in Frankfurt
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Michel Ferrier
Le Lycée français Victor-Hugo - die
Französische Schule in Frankfurt
Michel Ferrier ist Leiter der
französischen Schule in Frankfurt.
Unsere französische Schule in Frankfurt am Main besteht seit dem
Jahre 1949. Da sie bis zur Einweihung des neu gebauten Gebäudes in
der Gontardstraße kein eigenes Domizil hatte, mußte der Unterricht
je nach Lage der gemieteten Gebäude an verschiedenen Orten in Frankfurt
stattfinden. Ziel unserer Schule ist es, den hier vorübergehend in
Frankfurt und Umgebung lebenden Kindern den gleichen Unterricht und dieselben
Abschlüsse wie in Frankreich anzubieten. Träger der Schule war
anfangs ein Elternverein; seit Januar 2000 hat nunmehr der französische
Staat die Aufgabe des Trägers übernommen. Die Schule ist somit
dem französischen Auswärtigen Amt verantwortlich, genauer: dessen
Abteilung für den französischen Unterricht im Ausland. Diese
unterstützt noch weitere 270 Schulen in aller Welt. Im Land Hessen
ist das Lycée Victor Hugo als ,,anerkannte Ergänzungsschule”
zugelassen.
Die beiden Leiter der Schule (der Direktor und die Leiterin der Grundschule),
der Buchhalter und 28 von 45 Lehrern und Lehrerinnen wurden von dem französischen
Staat eingestellt und werden von ihm auch größtenteils vergütet.
Die Eltern bezahlen für ihre Kinder Einschreib- und Schulgebühren.
Schüler:
Die Schule umfaßt je nach Altersstufe vier verschiedene Ebenen.
1. der Kindergarten (école maternelle).
In ihn gehen zur Zeit 101 Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren.
2. die Grundschule (école élémentaire).
Sie wird von 208 Schülern zwischen sechs und zehn Jahren besucht.
3. die Gesamtschule (collège)
bestehend aus 158 Schülern von elf bis vierzehn Jahren.
4. die Gymnasiale Oberstufe (lycée),
die gegenwärtig von 85 Jugendlichen im Alter von fünfzehn bis
siebzehn Jahren besucht wird.
Bei den Schülern handelt es sich um: 361 Franzosen, 57 Deutschfranzosen,
52 Deutsche und 82 Schülern anderer Staatsangehörigkeit.
Kollegium:
Unmittelbar aus Frankreich abgeordnet sind uns 14 Kollegen, bei den übrigen
handelt es sich um 20 Franzosen, 6 Deutschen und 5 Lehrern anderer Staatsangehörigkeit.
Abgesehen von denjenigen, die in der Vor- und Grundschule arbeiten, unterrichtet
jeder Lehrer und jede Lehrerin in Frankreich in der Regel nur ein einziges
Fach. Im Ausland hingegen müssen sie jedoch in manchen Fällen
auch ein zweites Fach abdecken. Weiterhin sind bei uns noch zwei Aufsichtspersonen
und eine Bibliothekarin im Amt.
Unterricht:
Im Kindergarten sind das Leben in der
Gemeinschaft und der Unterricht in den Grundlagen des Schreibens und Lesens
die wichtigsten Ziele; es werden zudem vier Stunden in deutscher Sprache
angeboten.
In der Grundschule gibt es die Fächer:
Französisch, Mathematik, Geschichte sowie Wissenschaft, Kunst und
Sport; einige dieser Fächer werden auch in deutsch unterrichtet.
Im Collège (Gesamtschule ab der
sechsten Klasse) werden die Fächer Französisch, Deutsch, Englisch,
Geschichte, Geographie, Gemeinschaftskunde, Mathematik, Physik, Chemie,
Erdkunde, Informatik, Kunst, Musik und Sport angeboten. Latein ist Wahlfach,
ebenso ,,die Europäische Abteilung”, bestehend aus zwei Deutschstunden
für die besten Schüler.
Im Lycée (gymnasiale Oberstufe)
werden Kunst, Musik und Informatik ab der zehnten Klasse nicht mehr unterrichtet;
die Schüler müssen hierfür jedoch ein zusätzliches
Fach belegen: etwa Wirtschaftswissenschaft, Latein oder Spanisch. In der
elften Klasse entscheiden sie sich für die Ausrichtung ihrer Abschlußprüfung
(baccalauréat). Sie können zwischen literarischem und fremdsprachlichem
(série L), wirtschaftswissenschaftlichem (série ES) und
naturwissenschaftlichem (série S) Schwerpunkt entscheiden. Die
europäische Abteilung bereitet einige Schüler auf das baccalauréat
mit europäischem Prädikat vor.
Dauer des Unterrichts: in der Vor- und Grundschule: 8 - 14.30 Uhr
im Collège: 8 - (spätestens) 15.15 Uhr
(mittwochs 13 Uhr)
im Lycée: 8 - (spätestens) 17 Uhr
Außerhalb dieses arbeitsintensiven Stundenplans können sich
die Schüler auch noch mit Sport, Theater, Kunst usw. beschäftigen.
Jedes Jahr werden zudem auch zwei Projekttage abgehalten.
Die neue Schule in der Gontardstraße:
Seit September 2000 ist die Französische Schule im neuen Gebäude
in direkter Nachbarschaft zur Liebigschule in Rödelheim / Hausen
untergebracht. Damit sind zum ersten Mal in der Geschichte der Französischen
Schule, Frankfurt die Schüler aller Schulzweige an ein und demselben
Ort untergebracht; sie benutzen nun gemeinsam einen Sportplatz, eine Sporthalle,
zwei Bibliotheken und eine moderne Kantine für alle Schüler
und Lehrer. Was die Zusammenarbeit mit der Liebigschule betrifft, so bestehen
sowohl auf der Ebene der Schulleitung als auch auf der der Lehrer und
Lehrerinnen bereits seit langem Verbindungen und Kontakte unterschiedlichster
Art.

Ziele und Zukunft:
Die Französische Schule in Frankfurt am Main ist eine französische
Schule. Sie ist damit zum einen der ,,Lehre eines auf den republikanischen
Werten gegründeten Bürgerverständnisses” (citoyenneté)
verpflichtet, zum anderen soll sie die Kinder und Jugendlichen bestmöglichst
auf ihr Studium und ihr Berufsleben vorbereiten. Darüber hinaus ist
sie jedoch auch eine Schule in Deutschland, genauer gesagt in Frankfurt
am Main. Damit fühlt sie sich verpflichtet, die Sprache des Landes
und die Kultur der hier lebenden Menschen den hier zeitweise wohnenden
jungen Leute nach besten Kräften zu vermitteln. Aus diesem Grunde
ist auch unsere Zusammenarbeit mit der Liebigschule für die Zukunft
unserer Schule so wichtig. Ich habe keinen Zweifel daran, daß der
Gedankenaustausch unter Lehrern und Schülern sowie die gemeinsame
Arbeit und die gemeinschaftlich organisierten Veranstaltungen viel dazu
beitragen werden, unser aller Zugehörigkeitsgefühl zu Europa
zu fördern.
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