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Inhalt Ausgabe 42
Vorwort
Marlene
Dietrich: Das gestörte Verhältnis der Deutschen zu sich selbst
Sich
einmischen oder wegschauen-Problemfall deutsche Sprache
Schlußstrich
oder Schlussstrich? Neue deutsche Rechtschreibung
Maßnahmen
zur Qualitätssicherung des Mathematikunterrichts
Schule
und die Herausforderungen der neuen Zeit
Verpackungskunst
an Schulgebäuden - endlich auch in Frankfurt
Astronomie
an der Liebigschule
Hauptschule
macht Schule
Nach
Rom - ganz nah bei Frankfurt
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Baldur Gabriel
Nach Rom – ganz nah bei Frankfurt
Von allen Wegen, die nach Rom führen, dürfte
ab Frankfurt der kürzeste bereits in Aschaffenburg am Ziel angekommen
sein. Nach 40 Minuten Fahrt im Regionalzug und 6 Minuten Fußweg
stehen wir bereits staunend vor dem Kolosseum, wandern weiter zum Pantheon
und schauen am Titusbogen den siegreichen römischen Legionären
zu, wie sie ihre Beutestücke aus dem Tempel von Jerusalem im Triumphzug
dem Volke vorführen. Unmöglich? Aber doch! Denn im Aschaffenburger
Schloß Johannisburg präsentiert die Bayerische Verwaltung der
staatlichen Schlösser, Gärten und Seen eine Dauerausstellung
mit dem Titel
„Rom über die Alpen tragen –
Fürsten sammeln antike Architektur:
Die Aschaffenburger Korkmodelle”
Hierbei handelt es sich um eine einzigartige und die in der Welt wohl
umfangreichste Sammlung von Korkmodellen antiker Bauwerke. Solche Modelle
wurden im 18. und 19. Jahrhundert europaweit von Fürstenhöfen,
aber auch von reichen kunstsinnigen Bürgern bei italienischen und
deutschen Künstlern aus verschiedenen Motiven wie z.B. dem wissenschaftlichen
Interesse an der antiken Bautechnik und Bauästhetik in Auftrag gegeben,
wobei freilich auch der Prestigegewinn durch den Besitz dieser Kunstwerke
eine große Rolle spielte.

Goethe stand staunend davor
Diese Nachbildungen antiker Architektur vermitteln maßstabgetreu
in äußerster Detailgenauigkeit einen bleibenden Eindruck von
dem, was der Betrachter bei einem realen Besuch der steinernen Überbleibsel
des Alten Rom zu erwarten hat. Kork ist mit seiner Farbe und Oberflächenstruktur
offenkundig das ideale Material zur naturgetreuen verkleinerten Nachbildung
antiker Steinbauten. Wer immer die Gelegenheit hat, seine Originalfotos
der letzten Romreise z.B. vom Pantheon oder dem Titusbogen neben Fotos
der entsprechenden Aschaffenburger Modelle zu legen, wird sein Mühe
haben, Bild und Abbild auseinanderzuhalten.
Schon Johann Wolfgang von Goethe wußte um die Wirkung dieser Kunstwerke
aus Kork, schreibt er doch im Tagebuch seiner Italienreise am 1. November
1786, alle Bilder, die er in seiner Jugend von den Überresten des
antiken Rom gesehen hätte, stünden ihm nun lebendig vor Augen:
„... und alles, was ich in Gemälden und Zeichnungen, Kupfern
und Holzschnitten, in Gips und Kork schon lange gekannt, steht nun beisammen
vor mir: wohin ich gehe, finde ich eine Bekanntschaft in einer neuen Welt;
es ist alles wie ichs mir dachte und alles neu.”. In den zehn Jahren,
die er vor seiner ersten Italienreise bereits im Dienste des Fürsten
Karl-August von Sachsen-Weimar stand, hatte er gewiß mehrfach die
Gelegenheit wahrgenommen, sich wenige Kilometer von Weimar entfernt im
Schloß Friedenstein die Korkmodellsammlung des Fürsten von
Sachsen-Gotha anzuschauen. Altmeister im Korkmodellbau war in Rom Antonio
Chichi (1773-1816). Dessen Arbeiten waren nicht unter der Summe des mehrfachen
Jahresgehaltes eines höheren fürstlichen Beamten zu erstehen,
was auch Goethes Sammlertrieb Grenzen setzte und weshalb wir in seinem
Weimarer Wohnhaus unter all den antiken Repliken vergebens nach einem
Korkmodell suchen.
Der Fürsterzbischof und sein Konditormeister
Der Grundstock der in Aschaffenburg ausgestellten Werke geht auf die Sammlung
Carl Theodor von Dalbergs zurück, des Kurfürst-Erzbischofs von
Mainz. Als dieser 1803 mit seinem Hofstaat nach Aschaffenburg umsiedelte,
brachte er seinen Hofkonditor Carl May mit, der sich nebenberuflich mit
der Korkbildnerei befaßte und es darin zur höchsten Meisterschaft
gebracht hatte (mit besthonorierten Aufträgen aus ganz Europa). May
betreute die Dalbergsche Sammlung, nicht ohne sie durch eigene Werke bereichert
zu haben, bis 1814, als das „Fürstentum Aschaffenburg”
dem Königreich Bayern zugeschlagen wurde. Aber auch die Bayern waren
Liebhaber dieser Kunstform. So gab König Ludwig I. 1827 Carl Mays
Sohn Georg, dem königlichen Baurat, den Auftrag, Korkmodelle römischer
Bauwerke für die königliche Antikensammlung in größerem
Maßstab anzufertigen. Diese Modelle haben dann im Laufe der Jahrzehnte
Standort und Funktion mehrfach gewechselt, u.a. dienten sie in der Technischen
Hochschule
München den Architekturstudenten als Anschauungsmaterial.
Was die Bombennächte des Zweiten Weltkrieges übrigließen,
– es ist Gott sei Dank nicht wenig – ist nun mit insgesamt 54
Modellen in Aschaffenburg zusammengefaßt. Von diesen sind in den 1996
völlig neugestalteten Ausstellungssälen 39 erlesene Exemplare
Stadtrömischer Bauten in modernster Präsentationstechnik aufgestellt.
Raffinierte Beleuchtungstechnik steigert die Wirkung der Plastizität
der Modelle. Das kleinste, die Cestius-Pyramide, ist gerade 20 cm hoch,
das größte – wie kann es anders sein - , das Kolosseum,
mißt 90 cm in der Höhe und 312 cm in der Länge. Die Modelle
sind alle mit kurzen verständlichen Texten erläutert und können
an Ort und Stelle mit alten Stichen (insbes. den Veduten von Piranesi) sowie
mit aktuellen Fotos der Originalbauten verglichen werden. Eine
Schatztruhe für 29 Mark
An der Museumskasse wird zur Ausstellung ein Katalog angeboten, der es
verdient ein Buch genannt zu werden: Auf 348 fest gebundenen Seiten im
Großformat von 30 x 21 wird in Verbindung mit 27 Farb- und 463 Schwarzweißabbildungen
nicht nur das Spektrum der Exponate ausgebreitet. Vielmehr besitzen wir
mit diesem Buch zugleich ein Kompendium zum historischen und kulturgeschichtlichen
Hintergrund der antiken Bauten. Die zahlreichen Beiträge dieses Buches
wie z.B. über die „Bedeutung des Architekturmodells von der
Frühzeit bis zur Gegenwart” (F. Bischoff) oder über die
„Antikenrezeption und Baukunst um 1800” (E. Forssmann) machen
deutlich, daß die Korkmodelle weit über den Rang reiner Schauobjekte
hinausreichen. Die von Werner Helmberger, dem spriritus rector des Buches,
und Valentin Kockel im zweiten Teil bearbeitete Präsentation des
Bestandskatalogs geht weit über das sonst übliche schlichte
Auflisten der Objekte hinaus. Hier ist ein gediegenes Nachschlagewerk
zu hochberühmten, in Kork rekonstruierten antiken Bauten geschaffen
worden, eine wahre Schatztruhe, die in den Fachbibliotheken der Historiker
und Kunsterzieher an den Schulen und in den Händen kunstsinniger
Freunde der Antike einen Platz verdient hat. Und das Ganze für 29
Mark an der Museumskasse (Im Buchhandel 59 DM)! Jedem der abgebildeten
Bauwerke ist eine sorgfältige und für den Laien verständliche
Beschreibung beigefügt, jeweils in Verbindung mit solider historiographischer
Hintergrundinformation. So erfahren wir beispielsweise auf den Seiten
268 ff, daß es sich bei dem „Drususbogen” in Rom keineswegs
um einen Ehrenbogen für den Bruder des Tiberius handelt, sondern
um die Überreste einer Wasserleitung, die hier die Via Appia überquerte.
Der Abbildung des Korkmodells von Carl May ist ein Stich von Piranesi
von 1748 gegenübergestellt sowie ein Originalfoto vom heutigen Zustand
des Bauwerkes, so daß deutlich zu erkennen ist, welchen Fortschritt
der Verfall in den letzten 200 Jahren genommen hat bzw. welche Aufgaben
heute auf die Restauratoren zukommen. Das Werk ist von den Münchener
Konservatoren Werner Helmberger und Valentin Kockel herausgegeben, die
zu diesem Buch auch die umfangreichsten Beiträge beigesteuert haben
und sich das Verdienst zugute halten können, Anschauungsmaterial
zur antiken Baukunst vorgestellt zu haben, das seinen Namen verdient.
Rom über die Alpen tragen, bearb. von W.Helmberger u. V.Kockel, Großformat,
geb., 348 S., Landshut 1993,
ISBN 3-9802205-9-1
Exkursion zu den Korkmodellen
Der Unterricht in Geschichte, in Kunst und in den Alten Sprachen läßt
sich mit großem Gewinn durch einen Ausflug nach „Rom ganz
nah bei Frankfurt” bereichern, zumal nicht weit von diesem „Mini-Rom”,
genau in 6 gemütlichen Gehminuten, auch ein großzügiges
römisches Haus, so wie wir es aus den Geschichts- und Lateinbüchern
kennen, samt Atrium und Peristyl besichtigt werden kann: das Pompejanum
(s. Verf. „Für sieben Mark nach Pompeji”, SchiFF Nr.
37/1997, S.18).
Das Programm einer Exkursion zu den Aschaffenburger Korkmodellen
könnte etwa so aussehen:
8.34h Abfahrt des Zuges
9.13h Ankunft in Aschaffenburg, Fußweg zum Schloß Johannisburg
9.30h Rundgang im Schloßbereich, Erläuterungen zur Geschichte
Aschaffenburgs und der Johannisburg
10.00h Museumsbesuch im Schloß (Eintritt frei für Schülergruppen).
Dauerausstellung „Rom über die Alpen tragen”.
10.45h Spaziergang durch den Stadtpark zum Pompejanum (etwa 6 Minuten).
11.00h Wohnen wie ein edler Römer - Rundgang im Pompejanum
12.00h 1,5 Stunde zur freien Verfügung (Stadtrundgang, Verköstigung)
13.41h Rückfahrt nach Frankfurt (an Südbahnhof: 14.28h)
Bahnfahrt:
pro Schüler Hin- und Rückfahrt DM 12,20 (Gruppenpreis, Stand
Sept. 1999), Eintritt frei.
Informationen:
Tourist-Information Aschaffenburg, Schloßplatz 1, 63739 Aschaffenburg,
Tel. 06021/ 395800 (Auf Anforderung großzügige Zusendung von
vorzüglichem Prospektmaterial über Stadt und Umgebung). Staatsgalerie
Aschaffenburg mit Dauerausstellung „Rom über die Alpen tragen”
im Schloß Johannisburg, Tel. 0621/22417.
Öffnungszeiten:
Täglich außer montags vom 1. 4. bis 30. 9: 9-12h und 14-17
h, 1. 10. bis 31. 3: 10-12h u. 14-16h
Pompejanum, Tel. 06021/22417, täglich außer
montags 10.00.-12.30h und 13.30-17.00h. Achtung: Das Pompejanum ist nur
in der Zeit vom 15. März bis 15. Oktober geöffnet. |
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