
| Inhalt Ausgabe 42
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Werner Ziegs Astronomie an der Liebigschule in Frankfurt am Main Engagierte Schüler sind auch in den Ferien aktiv und verfügen über moderne Instrumente. Astronomie ist eine faszinierende Wissenschaft und findet heute mit der Verbreitung über die Medien steigendes Interesse bei Schülern und Erwachsenen. Darüber hinaus wirkt die Astronomie in viele andere Fächer des gymnasialen Lehrplans hinein. Nicht zuletzt aus diesem Grunde gehörte die Astronomie seit der Frühzeit der Pädagogik zu den klassischen Unterrichtsfächern. Hier können Impulse für Physik, Chemie, Mathematik, Geschichte und Philosophie gegeben werden. Gerade in der Astronomie bietet sich oft die Gelegenheit, den Bezug zwischen abstrakt vermitteltem Wissen und der Anwendung herzustellen. In diesem Sinne wirkt die Astronomie-AG der Liebigschule nun seit 25 Jahren. Viele der ehemaligen AG-Teilnehmer studierten oder studieren noch erfolgreich an den naturwissenschaftlichen Fakultäten der verschieden Universitäten. Vielleicht hat zu dieser Entscheidung der intensive Kontakt mit den Naturwissenschaften in der Arbeitsgemeinschaft beigetragen. Die Liebigschule verfügt über ein parallaktisch montiertes Newton-Spiegelteleskop unter einer 4-m Kuppel auf dem Dach der Schule und neuerdings auch über ein hochmodernes, computergesteuertes 10 Zoll Schmitt-Cassegrain Teleskop in azimutaler Montierung, die auch zur Verwendung mit einer CCD-Kamera auf parallaktische Montierung umgebaut werden kann. Dieses Teleskop hatte „first light” am 18. 10. 1999. 64000 Himmelsobjekte können automatisch angesteuert werden und die Bedienung ist auch mit einem PC möglich. Besonderer Dank gehört dafür dem Liebigschulverein, der die Hälfte der erforderlichen Geldmittel zur Verfügung gestellt hatte und Herrn OStD Erbs, der die andere Hälfte über Mittel der Stadt finanzierte. Dadurch hat die Liebigschule ein modernes Instrument, an dem Schüler Ergebnisse erzielen können, die noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts nur an großen Forschungsteleskopen möglich waren. Engagement und Studium „am Objekt” -
Die Beobachtung der Sonnenfinsternis am 11. 8. 1999. Beim Durchsuchen des Internets einige Wochen später erkannten wir durch puren Zufall, daß von einer anderen ” Organisation eine Großveranstaltung genau am Ochsenkopf stattfinden sollte, für die sich ein anderer Veranstalter schon alle derRechte gesichert hatte und auch Anmeldung und Eintritt für Sonnenfinsternisbeobachter kassieren wollte. Da wir dieses Ereignis in ungestörter Naturumgebung beobachten wollten, begannen wir mit der Suche nach einem anderen Platz. Man stelle sich vor, wir wären am 11. 8. auf „unsere” Wiese am Ochsenkopf gekommen und hätten einer Großveranstaltung gegenübergestanden. In der letzten Woche vor den Ferien wurde ein Vortrag
für alle interessierten Schüler und Eltern der Schule gehalten,
der den Verlauf der Finsternis, den Hintergrund und die Beobachtungstechniken
nochmals detailliert beleuchtete. Auch auf Gefahren und Sicherheitsaspekte
wurde hingewiesen. Der Abend war sehr gut besucht – eine sehr erfreuliche
Besucherbilanz in Anbetracht Das Studium der Wetterwahrscheinlichkeiten lenkte unser Interesse auf das Rheintal, und hier wurde noch eine Begehung zehn Tage vor der Finsternis durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt waren schon Ferien und die Digitalbilder des neuen Standorts wurden über Internet und Funktelefon verbreitet. Fünf Tage vor der Finsternis wurden täglich Wetterbesprechungen durchgeführt. Wichtig war absolute Flexibilität, auch den Beobachtungsort noch kurz vor der Finsternis neu zu bestimmen, falls sich andere Plätze als „wettersicherer” entpuppen sollten. Ein schwieriges Unterfangen, da alle Teilnehmer, die mitbeobachten wollten, immer auf dem laufenden gehalten werden mußten. Inzwischen hatten sich auch ehemalige AG-Mitglieder gemeldet, die teilnehmen wollten. Am 11.8. morgens fuhren wir bei bedenklichem Wetter – es regnete – nach Steinmauern bei Rastatt. Dies war unser verabredetes Ziel. Einige Eltern waren auch mit dabei. Die Wetterentwicklungen hatten wir in der Nacht vorher ständig über Internet verfolgt. Wir hatten uns kurzfristig entschlossen, die Gruppe zu teilen und noch einen westlicheren Punkt – in Frankreich – ebenfalls zu besetzen. Ein weiteres Mitglied setzte sich noch in der Nacht nach Westfrankreich in Bewegung, da dort die Wettermeldungen am günstigsten waren. Um 10:00 Uhr, ca. eine Stunde vor dem ersten Kontakt, waren alle – trotz erheblicher Verkehrsbehinderungen - an den Beobachtungsplätzen. Starke Bewölkung und nachlassender Regen prägte das Bild in Steinmauern. Um 10:30 Uhr geschah das Unglaubliche – die Bewölkung lockerte sich etwas auf. Und gerade zur Zeit des ersten Kontaktes, um 11:12 Uhr, war der Blick in Richtung Sonne frei! Mit kurzen Unterbrechungen blieb dies auch so bis kurz vor der Totalität. Und noch einmal war das Glück auf unserer Seite. Die Sonne blieb während der ganzen Zeit der Totalität von zwei Minuten und acht Sekunden in einem kleinen Sektor sichtbar und gab den Blick auf Korona, Chromosphäre und Protuberanzen frei. Während die Beobachtergruppe in Steinmauern
diese glückliche Ortswahl getroffen hatte, konnte die Gruppe in Frankreich
nur 10 km weiter westlich die Phase der Totalität nicht sehen. Immerhin
gelang jedoch eine sehr interessante Kurvenaufzeichnung des Temperaturverlaufes
während der Finsternis. Ein weiterer Beobachter hatte in Verdun hervorragende
Beobachtungsbedingungen, während bereits 1000 m Luftlinie von unserem
Hauptbeobachtungsplatz in Steinmauern entfernt die Sonne von Wolken bedeckt
war. Die Beobachtung am Breitenstein fiel buchstäblich „ins
Wasser”, wie wir etwas später erfuhren.
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