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Inhalt Ausgabe 42
Vorwort
Marlene
Dietrich: Das gestörte Verhältnis der Deutschen zu sich selbst
Sich
einmischen oder wegschauen-Problemfall deutsche Sprache
Schlußstrich
oder Schlussstrich? Neue deutsche Rechtschreibung
Maßnahmen
zur Qualitätssicherung des Mathematikunterrichts
Schule
und die Herausforderungen der neuen Zeit
Verpackungskunst
an Schulgebäuden - endlich auch in Frankfurt
Astronomie
an der Liebigschule
Hauptschule
macht Schule
Nach
Rom - ganz nah bei Frankfurt
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Christoph Hartmann
Maßnahmen zur Qualitätssicherung des
Mathematikunterrichtes in Hessen -
Eine erste Einschätzung
Wie steht es um die Qualität des Mathematikunterrichts?
Mit der TIMS-Studie wurde den deutschen Schülerinnen
und Schülern attestiert, daß ihre Problemlösefähigkeit
in Mathematik unterentwickelt ist. Daraufhin kam eine Diskussion über
die Ursachen und schulische Konsequenzen in Gang. Schnell warfen einige
Verursacher dieser Misere, Bildungspolitiker aus den „Gesamtschulländern”,
den Lehrern vor, sie seien an der Misere der mangelhaften Vermittlung
der Mathematik schuld. Hans Magnus Enzensberger trug mit seinem Artikel
Zugbrücke außer Betrieb (Beilage Bilder und Zeiten; FAZ, 29.8.1998)
dazu bei, den „schwarzen Peter” wieder an die für die
Schulorganisation dieser Länder Verantwortlichen zurückzureichen.
Er sah zu Recht die Hauptursache für die Defizite der betreffenden
Schülergruppen in den von der Ministerial- und Kultusbürokratie
der betreffenden Länder verordneten Lehrplänen. In der Tat schreiben
in Hessen diese Lehrpläne (sogenannte Rahmenpläne) in der noch
gültigen Fassung in der Unter- und Mittelstufe einen stufenbezogenen,
jahrgangsübergreifenden und im Vergleich zu früheren Plänen
sehr lückenhaften mathematischen Minimalkatalog vor. In der für
den HPhV erarbeiteten Stellungnahme zum Rahmenplan Mathematik wurden die
Mängel im Detail offengelegt und insbesondere die sogenannte, aus
der Grundschulpädagogik stammende, Handlungsorientierung als das
methodisch-didaktische Instrument zur Realisierung dieses Einheitslehrplanes
kritisiert. Der Erkenntnisgewinn in der Mathematik lebt aber gerade von
der Abstraktion, d.h. der Ablösung vom konkreten Handeln bzw. dem
Auffinden des allgemeinen Prinzips in den konkreten Beispielen und dessen
Anwendung auf neue Probleme.
Von einer inhaltlichen Diskussion wurden die Kursstrukturpläne der
gymnasialen Oberstufe bisher völlig zu Unrecht ausgespart. Dabei
ist es eine Tatsache, daß der Mathematikunterricht mittlerweile
bis in die Oberstufe hinein weitgehend zu einem Einüben von Rezepten
„verkommen” ist und Schüler gute Noten erzielen können,
ohne den Sachverhalt verstanden zu haben. Enzensberger nannte hier zu
Recht das Beispiel der Infinitesimalrechnung. Dabei bietet gerade die
Infinitesimalrechnung exakte Methoden zur Behandlung des Unendlichkeitsbegriffes,
seien es nun Grenzwertbetrachtungen, Induktionsbeweise oder Reihenentwicklungen,
um nur einige Beispiel zu nennen, die das Verstehen infinitesimaler Sachverhalte
erst ermöglichen. Mit Heike Schmoll (Die Kultur der Anstrengung,
FAZ, 1.6.1999) muß man daher zusammenfassend sagen: „Es gibt
durchaus Bundesländer (wie z.B. Hessen; Anm.d. Red.), die zunächst
einmal für Qualität sorgen müßten, damit sie etwas
zu sichern haben”.
Welche Maßnahmen sind zur
Qualitätssicherung geplant ?
Mit der Ankündigung, schulformspezifische Stundentafeln und Lehrpläne
vorzulegen, hat die neue Kultusadministration unter Frau Wolff in Hessen
einen begrüßenswerten Schritt in die richtige Richtung getan.
Hoffentlich wird aber nicht wie zu früheren Zeiten eine große
Geheimniskrämerei um die Zusammensetzung und die inhaltlichen Vorstellungen
der Gremien, die diese Arbeit leisten sollen, getrieben. Eine breite Zustimmung
für einen neuen Lehrplan für die S I oder einen neuen Kursstrukturplan
setzt die Einbeziehung möglichst vieler Fachleute während der
Erarbeitung der neuen Pläne voraus. Ich bin sicher, daß die
meisten Kolleginnen und Kollegen der Fachgruppen im HPhV zur Mitarbeit
bereit sind. Der Fachverstand ist gewiß nicht nur auf CDU-Mitglieder
und Fachleiter beschränkt.
Der schleichende Niedergang der Mathematik war und ist aber nur zu einem
Teil die Folge mangelhafter Lehrpläne. Zum anderen Teil war und ist
er die Folge leistungsfeindlicher Erlasse, insbesondere des Erlasses über
die schriftlichen Arbeiten. Dieser Erlaß erzeugte und pflegte über
Jahrzehnte hinweg die Vollkaskomentalität (Erfolgsgarantie) der hessischen
Schüler. Die zur Zeit gültige, noch von der Holzapfel-Administration
stammende, Fassung vom 22.2.99, sieht nur einige kosmetische Operationen
vor, wie das Anheben der Genehmigungsgrenze von ein Viertel auf ein Drittel
und das Aushandeln der Genehmigung einer Klassenarbeit zwischen Schulleiter
und Fachlehrer vor. (Letzteres halten wir für keine glückliche
Lösung. Die Genehmigung sollte wie bisher in der Kompetenz des Fachbereichs
bleiben). Klassenarbeiten müssen aber immer noch angekündigt
werden, und zwar spätestens 3 Tage vor dem Arbeitstermin.
In naher Zukunft erwarten wir, daß Klassenarbeiten nicht mehr angekündigt
werden müssen, so wie es Staatssekretär Dr. Müller-Kinet
bei der Landesvertreterversammlung des VDL, unseres befreundeten Verbandes
der Lehrer an Grund-, Haupt-, Real-, Sonder- und Gesamtschulen, ausgeführt
hat (Abwehr des „Schubladenlernens”). Laut Wetzlarer Zeitung
sagte dies auch der schulpolitische Sprecher der hessischen Landesregierung,
Hans-Jürgen Irmer (CDU). Eine Gaußverteilung der Noten bei
Klassenarbeiten mit einem Mittel bei „befriedigend” soll es
künftig ebenfalls nicht mehr geben. Ohne die Streichung der Ankündigungspflicht
für schriftliche Arbeiten wird ein langfristiges, selbstverantwortliches,
an der Sache und nicht auf einen Arbeitstermin hin fixiertes Lernen.
Kriterien für die Erarbeitung
von Lehrplänen für den Mathematikunterricht im Gymnasium
Kriterien für die Auswahl von Themen und Inhalten sollten deren wissenschaftspropädeutischer
Stellenwert und deren Unabdingbarkeit für eine mathematisch-naturwissenschaftlich-informationstechnische
Allgemeinbildung sein. Der Lehrplan muß daher die Methoden und Inhalte
des Faches und die Bereitstellung von Hilfsmitteln für diejenigen
Fächer im Auge haben, die mathematische Methoden verwenden (In erster
Linie sind dies die Naturwissenschaften und die Informatik). Bei einer
Revision der Lehrpläne muß darauf geachtet werden, daß
gerade diejenigen charakteristischen Inhalte und Methoden der Mathematik,
an denen das Problemlösen trainiert werden kann, wieder den gebührenden
Stellenwert zugewiesen bekommen. Es sind dies Aufgaben und Probleme, bei
denen Aussagen nicht nur formuliert, sondern auch bewiesen werden müssen.
Dazu müssen Beweisverfahren eingeführt und trainiert werden.
In der Sekundarstufe I bietet dazu z.B. die Geometrie der Kongruenzabbildungen
mit den Dreieckskonstruktionen ein geeignetes Betätigungsfeld. In
der Sekundarstufe II lassen sich in Analysis und Linearer Algebra zahlreiche
Aussagen u.a. mit Hilfe des Beweisverfahrens der vollständigen Induktion
beweisen (z.B. die Formel für die Summe der Quadratzahlen, die bei
der Berechnung der Fläche unter der Normalparabel des Integrals als
Grenzwert von Ober- bzw. Untersummen benötigt wird).
Neben den Beweisverfahren sollten numerische Verfahren und Algorithmen
(Stichworte: Approximation, Iteration, Diskretisierung, Extrapolation,
Einschließung durch Intervalle) inklusive Grundlagen einer höheren
Programmiersprache in den Mathematikunterricht der Klassen 5 -13 integriert
werden, um interessante Anwendungen und fachübergreifende Probleme
kompetent bearbeiten zu können. Voraussetzung ist dafür nicht
zuletzt auch die Bereitstellung einer ausreichenden Anzahl von Computern
und Mathematiksoftware und ein qualifiziertes Weiterbildungsangebot für
die Lehrer, die die Möglichkeiten der Informationstechnik nutzen
wollen. Auf diesem Sektor tendiert nämlich die Zahl der qualifizierten
Weiterbildungsmaßnahmen im Lande Hessen in den letzten zwei bis
drei Jahren gegen Null.
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