Inhalt Ausgabe 42

Vorwort

Marlene Dietrich: Das gestörte Verhältnis der Deutschen zu sich selbst

Sich einmischen oder wegschauen-Problemfall deutsche Sprache

Schlußstrich oder Schlussstrich? Neue deutsche Rechtschreibung

Maßnahmen zur Qualitätssicherung des Mathematikunterrichts

Schule und die Herausforderungen der neuen Zeit

Verpackungskunst an Schulgebäuden - endlich auch in Frankfurt

Astronomie an der Liebigschule

Hauptschule macht Schule

Nach Rom - ganz nah bei Frankfurt

 

Peut-on enfin aimer l’Allemagne?

Liebe Leser!

Eine Schulpartnerschaft mit einem collège in Straßburg kam trotz intensiver Bemühungen der Kollegen beider Seiten nicht zustande. Die französische Schulleitung sowie ein Teil des Kollegiums denken, das Interesse an der deutschen Sprache sei gesunken; und man möchte dem Zeitgeist nicht zuwiderhandeln. Daß die beiden französischen Kollegen den Austausch auch deshalb wollten, um die Attraktivität des Faches Deutsch zu erhöhen, konnte letztlich nicht überzeugen.

Wenn nun aber schon in Straßburg trotz seiner geographischen Nähe zu Deutschland und trotz seiner deutsch-französischen Geschichte das Interesse am Erlernen der deutschen Sprache erlahmt, wie mag die Tendenz dann erst im übrigen Frankreich sein? Das französische Magazin EXPRESS widmete erst kürzlich eine ganze Ausgabe der Frage „Peut-on enfin aimer l’Allemagne?“ (Können wir Deutschland endlich (!) lieben? Heft Nr. 2522, 10.11.1999) Die Art der Fragestellung deutet an, daß dies bislang (wohl) noch nicht der Fall war.
Woran liegt es, daß das Interesse am Erlernen der Fremdsprache Deutsch so gering ist, und dies obwohl sie die mit Abstand meistgesprochenste Sprache in Europa ist? Im Hinblick auf die berufliche Zukunft gäbe es für junge Leute viele Gründe, deutsch zu lernen, doch wo das Herz nicht ist, da nützen auch vernünftige Argumente nicht viel. Und warum sollten Ausländer auch deutsch lernen wollen, wenn die Deutschen selber ihre Sprache nicht schätzen, warum sollten sie die Deutschen mögen, wenn diese gegen sich selbst die schlimmsten Vorurteile hegen? Ist dieses gestörte Verhältnis der Deutschen zu sich selbst nicht wieder ein Beispiel des berühmten „Sonderweges“? Anderswo werden Leute öffentlich geehrt, weil sie - als einer der ihren! - sich für ihr Volk verdient gemacht haben. Bei uns ist es genau umgekehrt. Leute kommen deshalb zu Ehren, weil sie sich ihrer nationalen Identität entledigen und in Deutschland weder leben noch dort begraben sein möchten (wie z.B. Marlene Dietrich, S. 4). In gleicher Weise gilt dies für jene, die nicht müde werden, die Deutschen vor sich selbst zu warnen, so als stellten sie auf ewig eine latente Gefahr für sich und andere dar. Andere Völker bestimmen sich selbst durch ihre Sprache, ihre Musik und ihre Kunst, wir hingegen dürfen uns nur mit den Verbrechen der NS-Zeit identifizieren. „Peut-on enfin aimer l’Allemagne“? Um diese Frage positiv beantwortet zu bekommen, müßten die Deutschen erst mal sich selbst annehmen.

Warum wir unsere Sprache nicht lieben, zeigt uns der Artikel von Prof. Krämer, der wegen des Problemfalls deutsche Sprache den „Verein zur Wahrung der deutschen Sprache“ gegründet hat (S. 6).

Ein anderes Symptom des kränkelnden Verhältnisses zu sich selbst behandelt Prof. Jochems, der sich wundert, warum die Deutschen eine von oben herab verfügte und in sich unstimmige „Rechtschreibreform“ so widerstandslos hinnehmen. (S. 9)

Im Englischen hat sich Rechtschreibung und Aussprache im Laufe der Jahrhunderte deutlich auseinandergelebt, doch käme es Engländern jemals in den Sinn, ihre Sprache deshalb zu „reformieren“? ( S. 20).

Und so wird in Schule in Frankfurt auch weiterhin die alte Rechtschreibung gepflegt werden, und wir werden es zudem tunlichst sein lassen, Autoren aus obrigkeitsstaatlichem Gehorsam heraus nachträglich zu „korrigieren“.
Zu guter Letzt wünsche ich allen unseren Lesern - kein Merry Christmas -, sondern ganz altmodisch: Frohe Weihnachten!

 

   

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